Was ist Postproduktion?

In diesem Beitrag erkläre ich euch in kurzen Worten und Beispielen was eigentlich die „Postproduktion“ bedeutet.
 Damit du verstehst, warum die Postproduktion so lange dauert, aufwendig ist und du die wichtigsten Fachbegriffe kennst. 

Denn wie heißt es so schön? „Weil fix it in the post!“

Wunschdenken vs Realität

Oft denken die meisten Menschen, welche nicht in der Video-Branche tätig sind, es würde wie folgt ablaufen:

Der Dreh ist im Kasten. Zack - die SD-Karte wird in den Computer gesteckt.
Die Daten werden auf dem Computer übertragen.
Das Videoprogramm wird geöffnet und per Zauberhand entsteht - dank neuster KI und Computer-Technik - alles automatisch - und ganz, ganz schnell ist ein fertiger Film da.

Natürlich DER perfekte Film – wohlmöglich mit den tollsten Effekten und atemberaubenden Dolby Soround Sound.

Klingt schon fast dazu schön, um wahr zu sein, oder? 

Es ist zu schön. Denn es ist leider nicht die Realität.

Die Realität hört nach dem 2. Satz auf – die Daten werden übertragen. Das Videoprogramm wird geöffnet und dann beginnt die Postproduktion-ARBEIT.

Was ist die Postproduktion?

Die Postproduktion ist der 3. Part der Video- & Filmproduktion und ein sehr wichtiger dazu. (Kurzer Reminder: Es gibt die Preproduktion, Produktion, Postproduktion und die Distribution) 

Denn hier entsteht die eigentliche Film-Magie:
Die Auswahl und die Zusammenstellung der Filmaufnahmen, die Farbkorrektur, das Colorgrading, die Special Effects und natürlich die Musik und der Sound Feinschliff. 

All diese Elemente tragen dazu bei dem vollen Potential des Films auszuschöpfen. Angefangen von dem Gesamteindruck, der Stimmung und der Geschichte.

Wie lang dieser Part dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel die Länge des Films, die Farbkorrektur oder ob visuelle Effekte generiert und eingefügt werden müssen.

Nicht ohne Grund dauert es manchmal ein Jahr oder mehr bis ein Kinofilm veröffentlicht wird, obwohl die Aufnahmen im Kasten sind.

Was beinhaltet die Postproduktion?

Je nach Genre beinhaltet die Postproduktion verschiedene Arbeitsschritte.
Ich unterschiede hier die „essenziellen Postproduktions-Arbeitsschritte“ und die „optionalen Postproduktion Arbeitsschritte“.
 Die Essenziellen Arbeitsschritte sind in jeder Postproduktion die Basics. Wohingegen die optionalen Arbeitsschritte je nach Genre oder Distribution zur Postproduktion dazukommen.

Schließlich braucht nicht jeder Film Dinosaurier oder fliegende Häuser. (Oder doch?)

Die essenziellen Arbeitsschritte

Je nach Genre beinhaltet die Postproduktion verschiedene Arbeitsschritte.
Ich unterschiede hier die „essenziellen Postproduktions-Arbeitsschritte“ und die „optionalen Postproduktion Arbeitsschritte“.
 Die Essenziellen Arbeitsschritte sind in jeder Postproduktion die Basics. Wohingegen die optionalen Arbeitsschritte je nach Genre oder Distribution zur Postproduktion dazukommen.

Schließlich braucht nicht jeder Film Dinosaurier oder fliegende Häuser. (Oder doch?)

Die Materialsichtung und der Filmschnitt

Hier ein Beispiel von einer Adobe Premiere Sequenz mit Videospuren

Zuerst muss erstmal alles an Material für den Film gesichtet werden: Was haben wir alles Aufgenommen? Was ist wichtig? Was kann direkt weg? (Outtakes, Aufnahmen vom Boden…)
Und vor allem: Welche Takes sind gut und sollen auf jeden Fall in dem Film rein?

Wenn das erfolgt ist – was unter Umständen lange dauern kann – denn viel Filmmaterial = viel sichten – kommt der Filmschnitt.

Ich beschreibe es gerne immer als Puzzeln. Stell dir mal vor, jeder Take ist ein Puzzleteil und deine Aufgabe ist es aus all den Puzzleteilen die Richtigen zu finden und dann in der richtigen Reihenfolge / Kombination aneinanderzureihen, sodass am Ende ein Gesamtbild (Gesamtfilm) entsteht. Je nach Film hast du ein Drehbuch, ein Skript oder eine andere Vorgabe wie diese Takes aneinandergereiht werden sollen – manchmal auch nicht. Dennoch musst du entscheiden, welcher Take, welche Perspektive die passende in dem Moment ist. Denn optimalerweise hast du von jeder Szene verschiedene Takes / Aufnahmen. Da heißt es Puzzeln, was am besten zueinander passt, was sich gut anfühlt und gut aussieht. Vor allem aber auch die Geschichte oder die Message des Films am besten transportiert. Das klingt einfacher als gesagt, denn dazu gehört auch das richtige Timing. Wie lange muss ein Bild wirken? Wie schnell muss geschnitten werden?

Denn wenn dieser Arbeitsschritt nicht gut gemacht wird, kann die Geschichte noch so gut sein – der Film ist dann im Eimer.

Die Farbkorrektur & das Color Grading

Hier ein Video-Beispiel zwischen einer RAW Aufnahme (LOG) und die nachbereitete Version  (POST)

Ja, die heutigen Kameras sind gut. Die modernen Kameras machen tolle Aufnahmen – mit Tiefenschärfe, knackigen 4K oder Slow Motion Aufnahmen, in welchen du jeden Flügelschlag eines Kolibri sehen kannst. Allerdings sieht das Filmmaterial nicht direkt aus der Kamera perfekt cineastisch aus. Vor allem nicht, wenn in RAW aufgenommen wird.  

Vielleicht kennst du es selbst: Du machst ein Foto mit deiner Handykamera. Oft sieht es schon gut aus – dennoch bearbeiten wir gern die Fotos danach nochmal. Heller, dunkler, kräftige Farben usw. So im groben kannst du dir die Farbkorrektur eines Films vorstellen. Nur komplizierter aber mit viel mehr Möglichkeiten.

Es geht auch darum, dass alle Aufnahmen einen einheitlichen Look bekommen. Denn oft werden die verschiedenen Takes mit verschiedenen Kameras, Tageszeiten, Orten usw. gedreht.

Und dann wie bei deinem Handyfoto packst du einen Filter drüber. Damit ein gewisser Look entsteht. Ja, das wäre damit das Color Grading im Film. Hier wird durch „Filter“ (LUTS) oder anderen Möglichkeiten noch mehr aus dem Material geholt.

Kurz gesagt = Farbkorrektur ist die Korrektur der Farbwerte, ein eher technischer Vorgang.
Color Grading ist eher ein künstlerischer Vorgang, welcher mittels Farben die Aussage des Films unterstützt.

Die Tonbearbeitung und die Musik

Wir haben nun den Film mit den richtigen Szenen und in einem tollen Look vor uns. Jetzt kommt der Ton an die Reihe. Denn die Kameras haben Mikrofone – oder es wurden gesonderte Mikrofone verwendet. (Ich sag nur Tonmensch mit Ton Angel) Jedenfalls sind auch die Tonspuren – wie die Kamerabilder – nicht direkt aus der Kamera perfekt.

Da kann auch mehr rausgeholt werden. Damit meine ich keine lustigen „Tonverzerrungen“, damit sich alle im Film wie die Chip Munks anhören können (Wobei – ja, das wird auch in dem Arbeitsschritt gemacht), sondern damit sich der Ton generell gut anhört.

Was ist ein guter Ton? Ganz grob runtergebrochen: Es gibt kein Rauschen, keine störenden Hintergrundgeräusche, die Stimmen hören sich satt und klar an. Und ich rede gerade nur von dem Ton der Stimmen!
 Daneben gibt es noch den Ton von Handlungen (Autotür, Stühlerücken) etc. – also Ambient Sound und so weiter. Das muss sich auch genauso gut und klar anhören.
 Und dann – ja dann gibt es noch die Musik. Ein elementares und wichtiges Tool, um die Stimmung des Films abzurunden oder sogar noch mehr verstärken!

Denn die Musik muss passen, nicht zu laut und nicht zu leise sein. Der Ton der Stimmen, der Handlungen und die Hintergrundmusik müssen perfekt aufeinander abgestimmt und abgemischt werden. Eine Kunst für sich!

Die optionalen Arbeitsschritte

Die Visuelle Effekte „VFX“

Visuelle Effekte – darunter kannst du dir die klassischen Effekte vorstellen wie 3D Animationen, zusätzliche Explosionen, die es in der realen Welt niemals geben kann, halb (oder ganz) New York in Schutt und Asche und ganz bekannt: der Green / Bluescreen.
Diese visuellen Effekte sind sehr (zeit) Aufwendig und müssen natürlich im Vorhinein geplant und abgedreht sein. 

Motion Graphics

Hier ein Video-Beispiel einer Titel-Animation mit Motion-Graphics Elementen

Mit dem Begriff können nicht direkt alle etwas anfangen, aber bei „Titel“, „Bauchbinden“ oder „Überlagerungen“ schon eher etwas. Ein gutes Beispiel sind Nachrichtensendungen. Darin hast du einmal die Bauchbinden (unten links oder rechts eine Grafik mit dem Namen des Journalisten), Überlagerungen (meist links vom Nachrichtensprecher mit Bildern oder Texten) und Titeleinblendungen (bei Rubriken).

Diese visuellen Effekte sind sehr (zeit) Aufwendig und müssen natürlich im Vorhinein geplant und abgedreht sein. 

Und dann...?

Wenn all diese Schritte erfolgt sind, ist der Film fertig – oder? Ja und nein.
 Im Grunde sind das die Schritte vor der Distribution, also der Veröffentlichung des Films. Keine Frage! 

Allerdings bevor der Film veröffentlicht wird, gibt es Korrekturschleifen, Änderungswünsche oder im schlimmsten Falle sogar Nachdrehs, wenn etwas gar nicht passt. Das ist mit hohen Kosten verbunden…und sollte optimal vermieden werden.

In den Korrekturschleifen & Änderungen wird nochmal der Film feingeschliffen oder auch gern „gemastert“. Wobei Mastering ist dann schon der aller letzte Schritt in welchem wirklich nur noch der Feinschliff gemacht wird und dann in der bestmöglichen Qualität abgespeichert wird.

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